Archiv für die Kategorie ‘EEG’

Akademie für Neurofeedback

Für die Verbreitung von fortschrittlichen Behandlungsmethoden ist zum einem die Forschung auf dem jeweiligen Gebiet wichtig, zum anderem muss dieses Wissen in geeigneter Form an geeignete Personen weitergegeben werden, die so als Multiplikatoren der Sache auftreten.

Die Akademie für Neurofeedback wurde genau zu diesem Zwecke gegründet und bietet allen Interessierten Ärzten, Therapeuten etc.  eine mehrstufige praxisbezoge Ausbildung zum Neurofeedbacktrainer, Neurofeedbacktherapeuten oder Neurofeedbackdozenten an. Alle Infos gibt es auf der Webseite www.akademie-neurofeedback.de

Studie Neurofeedback für Kinder mit einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS)

Dipl.-Psych. Ulrike Leins schrieb ihre Dissertation zum Thema „Neurofeedback für Kinder mit einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS)“. Die Arbeit steht als Download der Öffentlichkeit zur Verfügung.
Ziel der Studie war es, ein Neurofeedbacktraining für Kinder mit ADHS zu evaluieren. Dieses Training knüpft an die Annahme an, dass der Störung eine Beeinträchtigung der zentralnervösen Aktivierungsregulation zugrunde liegt. Für diese Annahme spricht, dass Kinder mit ADHS im Vergleich zu gesunden Kontrollkindern erhöhte Anteile in langsamen Frequenzbändern (z.B. theta) und verringerte Anteile in schnellen Frequenzbändern (z.B. beta) aufweisen. Ferner zeigen sie Auffälligkeiten im Bereich der langsamen kortikalen Potentiale, wie zum Beispiel der P300, welche mit einer größeren Latenz und kleineren Amplitude auftritt.
Neben dem bislang praktizierten Feedback zur Veränderung der Frequenzbänder Theta und Beta wurde erstmals in einem einfach-blinden Design eine zweite Methode eingesetzt: das Feedback der langsamen kortikalen Potenziale (LP). In beiden Gruppen war es das Ziel, die Selbstkontrolle über bestimmte Anteile der EEG-Aktivität und damit über den Aktivierungszustand des Gehirns zu erlangen. Die LP-Gruppe sollte lernen, ihre LP-Amplituden in elektrisch positive Richtung (Aktivierung) und elektrisch negative Richtung (Deaktivierung) zu verschieben. Die Theta/Beta-Gruppe sollte lernen, einen aus den Frequenzbändern Theta und Beta gebildeten Quotienten zu erniedrigen (Aktivierung) und zu erhöhen (Deaktivierung). Das einfach blinde Design wurde ge-wählt, um unspezifische Therapieeffekte kontrollieren zu können. Die zentralen Fragestellungen bezogen sich auf den Lernverlauf, den Lernerfolg und die Effektivität des Programms in Hinsicht auf die ADHS-Symptomatik (kognitive Variablen, Verhaltensmaße). Ferner wurde untersucht, ob sich die Gruppen in Hinsicht auf den Lernverlauf, den Lernerfolg und die Veränderung der ADHS-Symptomatik unterscheiden.
In jeder Gruppe wurden 17 Kinder mit der Diagnose ADHS trainiert. Das Alter der Kinder lag zwischen acht und 13 Jahren, der mittlere IQ bei 100,7 (LP-Gruppe) und 101,0 (Theta/Beta-Gruppe). Das Training bestand aus drei Trainingsphasen mit jeweils zehn Trainingssitzungen. Unmittelbar vor Beginn und nach Beendigung des Trainings wurden Tests zur Erfassung der Intelligenz- und Aufmerksamkeitsleistung durchgeführt und Frage-bögen zur Erfassung der ADHS-Symptomatik ausgegeben. Die Therapieerwartung und Therapiebewertung der Eltern wurde vor und während jeder Trainingsphase erfasst.
Die Auswertung der EEG-Daten ergab folgendes Bild: Beide Gruppen hatten die Selbstkontrolle über ihre Gehirn-aktivität erlernt. Jedoch variierten Lernerfolg und Lernverlauf in Abhängigkeit von der Trainingsart (LP vs. Theta/Beta) und der Aufgabenstellung (Aktivierung vs. Deaktivierung). In beiden Gruppen zeigten sich nach dem Training signifikante Verbesserungen im Bereich der Aufmerksamkeit, der Hyperaktivität, der Impulsivität und der Problemhäufigkeit. Im Bereich der Intelligenzleistung, der akademischen Leistung und der Problembelastung konnten nicht signifikante Veränderungen in die gewünschte Richtung verzeichnet werden. Die Therapieerwartung und die Therapiebewertung der Eltern hatte keinen Einfluss auf die Trainingseffekte.
Die Effekte des Neurofeedbacktrainings waren in beiden Experimentalgruppen vergleichbar. Damit ist der Versuch, mit Hilfe eines einfach blinden Designs die Spezifität der Wirkfaktoren von Neurofeedback zu klären, nicht gelungen.
Die klinischen Effekte des Neurofeedbacktrainings im Bereich der Aufmerksamkeitsleistung und im Bereich der Hyperaktivität-Impulsivität liegen über den Effekten von Selbstinstruktionstrainings und kognitiv-behavioralen Behandlungspaketen. Sie sind vergleichbar mit den Effekten von Elterntrainings und einzelnen verhaltenstherapeutischen Techniken.
Insgesamt sind die ersten Ergebnisse positiv zu bewerten. Eine endgültige Bewertung der Neurofeedbacktherapie kann jedoch erst erfolgen, wenn Daten aus weiteren Nachuntersuchungen vorliegen.